Das Frettertal kommt nicht zur Ruhe. Während am Hexenstein / Ramscheid bereits die ersten Windkrafttürme unübersehbar in den Himmel ragen, sorgt der Untergrund am Hesenberg aktuell für Wirbel.
Bei den Fundamentarbeiten wurde eine verborgene Höhle oder wie SL Energie durch ihre Pressesprecherin Stefanie Flam sagt, kleinere Verkarstungen, also unterirdische Hohlräume, gefunden.
Westfalenpost und Sauerlandkurier berichten
Wie sie der Westfalenpost, Ausgabe 14.08.2026 sagt, laufen aktuell elektromagnetische Bodenuntersuchungen und das Ergebnis steht noch aus.
Aktuell ist ein massiver Fels ein Hindernis bei den weiteren Aushebungen, lt. Frau Flam.
Behörden sind informiert
Da hier das Wasserschutzgebiet betroffen sein könnte, dürfen nicht einfach irgendwelche Betoninjektionen in die Hohlräume gegeben werden, die das Grundwasser entsprechend verunreinigen könnten. Die zuständige Stelle für den Kreis Olpe wurde bereits darauf aufmerksam gemacht.
Der Hesenberg gehört zu dem Attendorner Massenkalk-Zug. In der Fachwissenschaft wird diese riesige Struktur als Teil der Attendorn-Elsper Doppelmulde bezeichnet. Es handelt sich dabei um ein prähistorisches, rund 380 Millionen Jahre altes fossiles Riff aus dem Mitteldevon. (Quelle: Wikipedia)
Interessant könnte dieser Fund auch für das Geologische Institut NRW in Krefeld sein.
Dass der Hesenberg und das obere Frettertal in einem hochgradig sensiblen Verkarstungsgebiet liegen, zeigt ein Blick in die offiziellen Landeskarten. Auf dem offiziellen Infoportal Gefährdungspotenziale des Untergrundes in Nordrhein-Westfalen (GDU) des Geologischen Dienstes und der Bezirksregierung Arnsberg ist das gesamte Baugebiet flächendeckend mit der offiziellen Gefahren-Rasterung für Karstgebiete überlagert.
Das Urzeit-Atoll (Die Herkunft)
Das gesamte Band, auf dem der Hesenberg liegt, war in der Urzeit ein zusammenhängendes, tropisches Korallen- und Schwammriff – ähnlich dem heutige Great Barrier Reef.Durch tektonische Verschiebungen wurde dieser extrem reine, kalkige Riegel über Jahrmillionen zusammen- und hochgedrückt. Er zieht sich heute wie eine mächtige, unterirdische Kalkmauer von Südwesten (Attendorn) nach Nordosten (Serkenrode/Frettertal) quer durch den Kreis Olpe.
Die direkte Verbindung zur Atta-Höhle (Nachtrag siehe unten im grünen Kasten)
Da der Hesenberg auf exakt demselben Gesteinsband sitzt, teilt er sich die geologischen Eigenschaften mit der weltbekannten Atta-Höhle in Attendorn.Weil dieser Massenkalk hochgradig wasserlöslich ist, neigt der gesamte Zug extrem stark zur Verkarstung (Bildung von unterirdischen Hohlräumen, Höhlensystemen, Klüften und Dolinen).
Quellen:
https://www.lochstein.de/hoehlen/D/nord_mitte/sauer/atta/atta.htm
https://www.lwl.org/wmfn-download/Geologie_und_Palaeontologie_in_Westfalen/GuP_Heft_93_Seite_3-18.pdf
Einschätzug von KI
Der Hesenberg ist kein isolierter Hügel, sondern ein fester Bestandteil des berüchtigtsten Höhlen- und Karstzugs des gesamten Sauerlands. Wer im Attendorner Massenkalk-Zug Fundamente aushebt, bohrt sehenden Auges in einem geologischen „Schweizer Käse“.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Attendorn-Elsper_Doppelmulde
Durch unkontrollierte Betoninjektionen im verkarsteten Baugrund besteht das akute Risiko, dass tiefe, natürliche Wasseradern dauerhaft blockiert oder umgeleitet werden, was zu einer existenzbedrohlichen Unterbrechung der Wasserversorgung für anliegende Waldgrundstücke und deren Baumbestand führen kann.

Sauerlandkurier vom 15.08.2026
Nachtrag 16.08.26 – andere Talseite ebenfalls vor “Höhlenfund”
Der Dorffunk hat aktuell davon berichtet, dass ein Baggerführer bei den Bauarbeiten der Anlagen der Stawag AG auf der anderen Talseite ebenfalls auf einen Hohlraum gestossen ist. Dies untermauert eindrucksvoll die flächendeckenden Verkarstung des gesamten Frettertals. Siehe Karte vom https://www.gdu.nrw.de/GDU_Online/

Wenn man diesen Artikel / Grafik der Westfalenpost vom 30.07.2024 über die Karte des https://www.gdu.nrw.de/GDU_Online legt, erkennt man, dass auch hier die Verkarstungen im Gefährdungspotenziale des Untergrundes im Frettertal vorhanden sind.
Nachtrag vom 22.08.2026 in der Westfalenpost

Nachsatz zur Richtigstellung. Information vom Geologischen Dienst NRW
Als Träger öffentlicher Belange wurde der Geologische Dienst NRW (GD) bereits 2024 in das Genehmigungsverfahren zu dem Bauvorhaben eingebunden. In einer Stellungnahme hat der zuständige Sachbearbeiter auf verkarstungsfähige Gesteine im Untergrund hingewiesen wird. Es handelt sich dabei nicht um den Massenkalk sondern um die sogenannten Finnentrop-Schichten in denen Karbonatkarst in einzelnen Lagen vorkommen kann. Dem GD ist ein solches Vorkommen an dieser speziellen Lokalität allerdings nicht bekannt.
Der GD führt ein Kataster der in NRW ausgewiesenen Geotope – das sind geowissenschaftlich schützenswerte Objekte. Allerdings ist an der besagten Lokalität auch kein Geotop ausgewiesen. Ob in diesem Bereich ein Naturdenkmal ausgewiesen ist, ist dem Geologischen Dienst NRW nicht bekannt. Für die Ausweisung von Naturdenkmälern ist die zuständige Naturschutzbehörde des Kreises zuständig.
Auf Anfrage beim Fachdienst Umwelt des Kreises Olpe wurde dem GD mitgeteilt, dass es keinen behördlich verfügten Baustopp gäbe. Des Weiteren wurde mitgeteilt, dass nach Angaben des projektierenden Unternehmens der angetroffene Hohlraum aus Sicherheitsgründen baugeologisch untersucht wurde und der Bodengutachter gegen den Weiterbau des Fundamentes keine Bedenken habe. Inzwischen sei das Planum sowie die Bauflächen errichtet. Eine Höhlung oder die Beschaffenheit des Untergrundes könne derzeit nicht erkannt werden.
Der Geologische Dienst NRW ist darüber hinaus nicht in laufende Prüfungen eingebunden.