Kleine Erinnerungen an Zeitgenossen, die nicht aus Serkenrode kamen und uns dennoch lange Zeit im Dorf begleitet haben. Beide standen nicht unbedingt auf der Sonnenseite des Lebens…
“Elchjäger” Klaus Webner wurde mit seiner Mutter in den Wirren des 2. Weltkrieges aus Schlesien vertrieben und fand in Bad Fredeburg eine neue Heimat.
Die alleinerziehende Mutter konnte ihren Sohn zunächst in dem Schmallenberger Sozialwerk St. Georg unterbringen. Durch Zufall erfuhr sie in den 60er Jahren, dass mit Pastor Johannes Taube ein Seelsorger aus dem alten schlesischen Heimatort in Serkenrode tätig war. Aus dem ersten Besuch entwickelte sich ein reger Kontakt: Pastor Taube versprach der Mutter vor ihrem Tod, sich um Klaus zu kümmern.

So kam er oft und gerne nach Serkenrode. Legendär sind seine „Auftritte“ in den Serkenroder Gaststätten. Als Mitglied des Bad Fredeburger Jägerstammtisch lauschte er bei den Abenden mit den Jägern stets den Berichten und gab – obwohl er niemals zur Jagd gegangen ist – in Serkenrode das Gehörte „bildlich“ wieder.
Da konnte es durchaus mal sein, dass er unter den Tischen her krabbelte und somit Einzelheiten einer Elchjagd wiedergab. So entstand sein Serkenroder Name: Der „Elchjäger.“
In Bad Fredeburg fand Klaus mit Familie Schlüter liebevolle Begleiter, im Café der Familie war er als emsiger Helfer in der Backstube tätig.
Zu seinem 70. Geburtstag gab es 2002 eine besondere Überraschung: Die Mitglieder des Serkenroder Stammtisch „Die Montagsfüchse“, bei denen er oft „intensiv“ zu Gast war, organisierten heimlich eine große Geburtstagsparty und weihten den Jägerstammtisch, seine „Anlaufstellen“ wie Arzt und Apotheker sowie Mitglieder des Gesangsvereins (Klaus war Mitglied des Bad Fredeburger Gesangsvereins und betonte immer wieder, dass er überall mit dabei wäre – aber sich stets an die Auflage halten würde, nur den Mund zu bewegen und ja nicht mitzusingen!) in das Vorhaben ein.

Familie Schlüter wusste ebenfalls Bescheid und fuhr am Klaus am Ehrentag „über Land“ und kam „zufällig“ gegen 18 Uhr beim Landgasthof Schmitt-Degenhardt vorbei. Die Tür ging auf – und ein großer Teil seiner Freunde aus Bad Fredeburg und Serkenrode stimmte „Happy Birthday“ an…

Klaus Webner verstarb 2019, Familie Schlüter gab eine Todesanzeige mit nur einem Satz auf: „Wir verlieren einen liebenswerten und äußerst höflichen Menschen.“
Dann war da noch “Clarence” Juan Manuel Moreno-Diaz, der als Gastarbeiter aus Spanien nach Serkenrode zur Firma Müller kam.

Er arbeitete auf dem Sägewerk und wohnte in einer kleinen Wohnung direkt neben den Maschinen. Juan unterstütze mit dem verdienten Geld seine Familie in Espana und hatte keinerlei Interesse daran, die deutsche Sprache zu erlernen. Wenn in den Gaststätten die Tür aufging und jemand „ I a Bier“ sagte, wusste jeder Bescheid. Bei Thekengesprächen hörte er nur zu, „Clarence“ – wie er dort genannt wurde – wusste, worum es geht. Das reichte ihm. In den 80erJahre kam es zu einem Lapsus, der als Anekdote bereits mehr als 40 Jahre überstanden hat.
Juan tauchte eines Tages mit seinem Hund in der Zahnarztpraxis in Fretter auf. Dort war man über den Vierbeiner zwar wenig begeistert, schickte das Duo nach erfolgter Aufnahme jedoch in das Wartezimmer. Dann wurde sein Name aufgerufen und Juan marschierte mit dem Vierbeiner in das Behandlungszimmer. Das war zu viel des Guten, man machte dem Spanier unmissverständlich klar, dass der Hund auf dem Zahnarztstuhl nichts zu suchen hat.
Juan monierte und zeigte immer wieder auf den Hund. Was war da falsch gelaufen? Erst als man Mensch und Tier (unbehandelt) nach draußen bugsierte, kam Licht ins Dunkel: Juans Thekenkumpanen hatten ihm erklärt, dass die Tierarztpraxis – gleich neben dem Zahnarzt in Fretter auf der rechten Straßenseite – seinem Hund helfen könne…Juan war mit seinem Hund im Bus nach Fretter gefahren und schlichtweg in der „falschen“ Praxis gelandet…
Juan Manuel Moreno-Diaz verstarb Anfang 2000 in seiner spanischen Heimat.
Fotos/Text: Friedhelm Tomba